Was darfs den heute für ein Bällchen sein?

Beinahe 2 Jahre sind jetzt verstrichen, seitdem die Produktion von RGW Bällen – der Ball den jeder spielte – eingestellt wurde. Seither versuchen einige Ballproduzenten den optimalen Nachfolger auf den Markt zu bringen. Leider muss man bis jetzt eingestehen: Er wurde noch nicht gefunden!
Fast in regelmäßigen Abständen kommt eine neue Serie von Bällen am Markt und jedesmal heißt es, ähnliches Sprung- und Flugverhalten als die geliebten RGW Bälle, liegen weich und optimal auf der Hand und halten dem Spielbetrieb stand.
Doch nach dem ersten Antesten kommt meistens die Ernüchterung. Entweder schlechtes Sprung- oder einfach schlechtes Flugverhalten. Wenn man bedenkt, dass in diesen 20 Monaten bereits die 4. oder 5. Generation von Bällen auf dem Markt ist, so kann man sich leicht ausmalen, dass wir noch nicht am Ziel sind.
Doch das schlimmste ist, dass darunter unser geliebter Sport leidet. Im Training muss man sich immer die Frage stellen: Mit was spielen wir den heute? Einige RGW Bälle hat noch jeder im Lager, jedoch sind die Tage dieses Balles bereits gezählt.
Doch was hat diese Unmenge von verschiedenen Bällen zur Folge? Langsam gleicht das Balllager mehr einem Supermarktregal mit einer großen Auswahl an verschiedensten Produkten. Und eine Überschaubarkeit ist kaum mehr gegeben.
In der Praxis sieht es so aus, dass bei einer Meisterschaftsrunde in der 1. Landesliga jede der 4 Mannschaften mit einem anderen Spielball antreten kann. Wie soll man sich hier bitte auf das Wesentliche konzentrieren, wenn man sich Satzweise auf einen neuen Ball einstellen muss!
Und dass das immer schneller und technisch feiner werdende Angriffsspiel auch körperliche Auswirkungen auf die Spieler hat, kann erahnt werden. Vorallem die Angreifer leiden sehr unter den verschiedenen Ballsorten und es darf keinen verwundern, wenn diese über Schulterschmerzen oder Ähnlichem klagen.
Doch dieser Balljungel hat noch mehr zur Folge. Welcher Ball hat welche Zulassung? Welcher ist für das Trockene, welcher gilt nur als Regenball? Normalerweise sind diese Bälle mit den zugehörigen Symbolen gekennzeichnet und eine zusätzliche IFA Zulassung bestätigt dieses Produkt dann als offiziellen Faustball. Aber auf dies sollte man sich natürlich nicht verlassen. Hier eine kleine Geschichte.

Wir schreiben das Frühjahr 2010. Der Schnee verabschiedet sich frühzeitig und das Gras bereitet sich schon wieder auf das Wachsen vor. Die Faustballplätze können endlich wieder bespielt werden. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits die Information über eine neue Generation von Bällen eingelangt. Bereits in der letzten Hallenrunde konnte man die ersten Erfahrungen damit sammeln.
Muster bestellt, gespielt und die Spieler sind wirklich zufrieden. Gutes Sprung- und Flugverhalten und er liegt auch gut auf der Hand. Doch darf ich jetzt damit spielen, denn eine allgemeine Liste welche Bälle gespielt werden dürfen und welche nicht, ist nicht bekannt.
Kein Problem, im Frühjahr gibt es ja immer die Landesschiedsrichter Fortbildungen. Die dortige Anfrage ergab, ja dieser Ball darf in der 1. Landesliga im Trockenen und Nassen gespielt werden. Somit wird eifrig mit dem neuen Produkt trainiert, damit man bis zum Saisonstart bestens Vorbereitet ist.
Endlich ist es soweit, die erste Runde steht vor der Tür und mit leichter Anspannung geht es zum Aufwärmen, ehe in wenigen Minuten der Anpfiff erfolgt. Doch dann geschieht etwas Merkwürdiges. Der Gegner reklamiert: Mit diesem Ball darf nicht gespielt werden! Ein Telefonat an die oberste Stelle des OÖ Faustballverbandes bestätigt, dieser Ball ist nicht für das Trockene zugelassen.
Sichtlich geschockt akzeptieren die Spieler diese Entscheidung, den eine Strafverifizierung des Spieles – was natürlich einer 0:3 Niederlage gleichkommt – will man auch nicht riskieren. Dass eine Niederlage folgte, ist nur mehr nebensächlich. Sichtlich verärgert musste man sich aber eingestehen: Durch diese Falschinformation herrscht anscheinend nicht einmal in den oberen Kreisen ein Durchblick in diesem derzeitigen Balljungel.

Es bleibt nur mehr zu hoffen, dass hier bald wieder Ruhe einkehrt und eine klare Linie gefunden wird. Denn langsam verliert man als Spieler die Freude am Spiel …

Artikel von Martin Nenning